Darum solltet ihr bei der Standorterweiterung von Siemens Energy mitreden
Das Unternehmen plant mehrere neue Gebäude, die auf Kosten der Umwelt gehen werden. Noch gibt es die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Warum das sinnvoll ist und wie das geht.
Das Unternehmen plant mehrere neue Gebäude, die auf Kosten der Umwelt gehen werden. Noch gibt es die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Warum das sinnvoll ist und wie das geht.

Siemens Energy plant auf dem Parkplatz an der Wiebestraße etwa 30.000 Quadratmeter Geschossfläche als Büro- und Verwaltungsgebäude zu bauen. So sollen 2.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Der Bebauungsplan 1-124 Turbinenwerk (Nord) soll nun die rechtliche Grundlage dafür schaffen.
Jetzt können Bürgerinnen und Bürger bis zum 12. Juni 2026 Einwendungen und Anmerkungen zum Bebauungsplan vortragen. Die Unterlagen dazu findet ihr auf der Webseite des Fachbereichs Stadtplanung im Bezirksamt Mitte. Alternativ könnt ihr die Pläne im Foyer des Rathaus Wedding in Papierform einsehen. Wer sie sich durch Fachleute erklären lassen will, muss einen Termin vereinbaren. Die Ansprechperson steht ebenfalls auf der Webseite.
Zu den Fakten des Bebauungsplanentwurfs:
Auf einem 48,2 m hohen Sockelgeschoss sollen drei verschieden hohe Gebäudetürme entstehen: 102,7 Meter, 69,2 Meter und 62,2 Meter über dem Meeresspiegel. Da die Geländeoberfläche etwa 35 Meter über dem Meeresspiegel liegt, müssen diese abgezogen werden, um die Höhe der Gebäude zu errechnen.
Das 130.000 m² große Werksgelände liegt zwischen Wiebe- und Berlichingenstraße, zwischen Hutten- und Sickingenstraße. 1968 schlossen sich die AEG und Siemens zur KWU (Kraftwerksunion) zusammen, um den Gasturbinenbau zu beschleunigen. Seitdem wurde immer wieder neu gebaut und erweitert. Nach Schließungsdrohungen (2018) und Abbau von Arbeitsplätzen arbeiten zur Zeit etwa 3.500 Menschen im Betrieb.
Umstritten ist unter anderem die hohe Verdichtung und fast vollständige Versiegelung. Zwar verspricht der Plan, dass es schon nicht so schlimm werde. Das Umwelt- und Naturschutzamt hat allerdings bereits festgestellt, dass das Versprechen nicht eingelöst werden könne.
Die Baustelle muss so organisiert werden, dass die Straßenbäume umfassend geschützt sind. Die drei vitalen Altbäume auf dem Siemens Gelände, die als Naturdenkmale gelten, sollen unbedingt erhalten werden.
Ungeklärt ist, wie das Niederschlagswasser auf dem fast völlig versiegelten Gelände versickern kann, weil es nicht mehr in die Mischwasserkanalisation eingeleitet werden darf. Deshalb hatten die Berliner Wasserbetriebe in ihrer Stellungnahme vorgeschlagen ein 'Fachgutachten Regenwasser' zu erstellen. Auch der Fachbereich Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagement Mitte forderte ein Gutachten zu Starkregen-Ereignissen.
Das Umwelt- und Naturschutzamt Mitte fordert wegen Belastungen mit Schwermetallen und anderen gefährliche Stoffen zudem Boden- und Grundwasseruntersuchungen. Aus dem Bezirksamt heißt es, dass der Schutz vor Gefahrenstoffen erst bei den Bauanträgen bearbeitet wird.
Des Weiteren hat das Umwelt- und Naturschutzamt auf das Vogelschlagsrisiko bei hingewiesen, weil Pflanzen sich in den Fenstern spiegeln und Tiere verwirren können, und eine Formulierung für den städtebaulichen Vertrag vorgeschlagen.
Obwohl in der förmlichen Bürgerbeteiligung die Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern häufig als weniger wichtig gesehen werden als Unternehmensinteressen, ist es dennoch immer wieder möglich, kleine Verbesserungen zu erreichen.
Hier findet ihr verschiedene Gutachten zu Artenschutz, Klima, Belichtung.
Hier bieten insbesondere die Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange, wie Feuerwehr, Berliner Wasserbetriebe oder auch Umwelt- und Naturschutzamt Mitte wichtige Argumente.
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