Streit um die Fischerpinte
Das beliebte Lokal am Plötzensee muss schließen. Am Freitag diskutierten Fans des Ladens mit der Politik. Und fühlten sich weitgehend alleingelassen.
Das beliebte Lokal am Plötzensee muss schließen. Am Freitag diskutierten Fans des Ladens mit der Politik. Und fühlten sich weitgehend alleingelassen.

Die Bänke in der Kapernaumkirche an der Seestraße im Wedding sind bis in die letzte Reihe mit Diskussionswilligen aus dem Wedding und Moabit besetzt. "Dies ist keine Wahlkampfveranstaltung, auch wenn hier sicherlich einige Anwesende das Thema für ihre Zwecke verwenden werden", sagt Lisa Strehmann vom evangelischen Kirchenkreis Berlin Nordost. Etwa 150 Menschen sind an diesem Freitagabend Mitte Juni gekommen. Strehman sagt: "Heute geht es um die Fischerpinte und nur darum".
Auf dem Podium stellen sich anschließend Andaras Hahn und Svenja Wagner als Vertreter:innen des Vereins Fischerpinte Plötzensee, sowie der Grüne Bezirksstadtrat Christopher Schriner den Fragen des Publikums. In aktuellen Umfragen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl im September liegen Grüne und Linke in etwa gleich auf. Schriner ist zuständig für den Bereich "Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen". Er trägt die Verantwortung für die Zukunft der Fischerpinte.

Seit dem Tod des bisherigen Pächters steht die Fischerpinte leer und der Pachtvertrag läuft nur noch bis Ende des Jahres. Der rechtliche Nachfolger habe sein Erbe ausgeschlagen, jetzt suche man nach weiteren Erbberechtigten, so Stadtrat Schriner. Ein Verkauf sei rechtlich ausgeschlossen, weshalb man über Ausschreibung für ein Interessenbekundungsverfahren nachdenke, bei dem sich unterschiedliche Träger mit Konzepten bewerben können. Am liebsten würde die Verwaltung einem Träger der Umweltbildung oder einen Partner für Schulen und Kitas gestatten, die Pinte weiter zu betreiben, sagt Schirner. "Je länger das hier dauert, desto mehr verfällt die Pinte!" ruft ein älterer Herr aus dem Mittelgang, der in seiner grünen Weste eigentlich dafür zuständig wäre, das Mikrofon denjenigen Teilnehmer:innen zu reichen, die sich gemeldet haben.
Als die Fragerunde dann tatsächlich für den Besucherraum geöffnet wird, hasten die ersten Teilnehmer:innen an die Mikrofone, es bildet sich eine lange Schlange. In Ihren Beiträgen sind sie sich einig: Die Fischerpinte am Plötzensee sei eine jahrzehntealte Institution mit hohem emotionalem wie sozialem Wert. Die Anwohner:innen erinnern sich an laue Sommerabende mit der Familie oder Freunden an der Pinte. Auch wenn das Geld knapp war, habe der Imbiss am See stets Erholung geboten. Manche kämen seit Jahren, um am Wasser zu arbeiten oder ein Feierabendbier zu trinken. Einen Konsumzwang habe es aber nie gegeben.

Viele empfinden die Pinte als urgemütliches Kleinod, und dass dort nicht alles schickimicki sei, mache erst den Charme aus. Alle kämen hier zusammen, ob jung oder alt, arm oder reich. Aus den Beiträgen wird klar: Mit dem Sterben der Pinte würde ein sozialer Ankerpunkt verschwinden.
Bezirksstadtrat Schriner sieht das anders. Er sagt, für Passanten sei der marode Bau kein schöner Anblick. Dabei sei das südöstliche Seeufer an sich ein besonders interessanter Standort. Empörtes Raunen wird laut: "Wenn ich oben an der Ampel stehe, seh ich da nur grün", sagt ein Anwohner.

Die Forderung der Diskutant:innen zur Fischerpinte ist also:
Man solle einige Bretter am Haus und dem Steg erneuern, und auch die allgemein zugängliche Toilette wieder in Schuss bringen. Vor allem aber solle das gastronomisches Gewerbe fortgeführt werden dürfen.
Schriner aber sieht weiter mehr Probleme als Lösungen. "Sie wollen die Pinte doch gar nicht erhalten, seien Sie doch einmal empathischer mit uns!" sagt dann einer. "Wenn es mir egal wäre, wäre ich nicht hier", sagt der Bezirksstadtrat.
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