Interview: 30 Jahre Kita Fantasia

Ein großes Jubiläum! 30 Jahre gibt es die Kita Fantasia nun bereits in der Bredowstraße. Die Leiterin Kerstin Schönherr-Faust über Herausforderungen, schöne Erinnerungen und die Verwurzelung im Kiez.

Interview: 30 Jahre Kita Fantasia
(c)Orte für Kinder
(c)Orte für Kinder

Seit 30 Jahren werden in der Kita Fantasia Kinder groß, Freundschaften geschlossen, Geschichten vorgelesen und Feste gefeiert. Viele Familien, die heute durch die Räume und über das Außengelände gehen, sind Teil einer langen Geschichte: Ihre Kinder sind inzwischen Schulkinder, manche Familien sind weggezogen – und trotzdem fühlen sie sich der Kita noch verbunden.

Am 4. September 2026 wurde dieses besondere Jubiläum gefeiert. 250 Gäste kamen zusammen: aktuelle Kita-Familien mit Kindern, Geschwistern und Großeltern, ehemalige Familien und Kolleg:innen sowie Vertreter:innen des Trägers Orte für Kinder. Es wurde gespielt, gegessen und gelacht. Ein Clown sorgte für kleine Zaubereien und große Augen, während das Buffet der Eltern und der Grill für das leibliche Wohl sorgten. Bis der Regenschauer kam, wurde auch das große Außengelände ausgiebig genutzt.

Wir haben mit Kerstin Schönherr-Faust gesprochen. Sie leitet die Kita Fantasia seit 2019, und blickt zurück auf über 30 Jahre Kita-Geschichte und das Leben im Moabiter Kiez,

MOAZIN: 30 Jahre – was bedeutet das für eine Kita?
Kerstin Schönherr-Faust:
Das Jubiläum hat uns vor allem gezeigt, wie viele Menschen mit der Kita verbunden sind. Besonders schön war, dass auch ehemalige Familien gekommen sind. Manche Kinder, die hier betreut wurden, sind inzwischen längst in der Schule oder die Familien wohnen gar nicht mehr in Moabit. Umso schöner war es, sie bei unserem Fest wiederzusehen.

Die Kita selbst ist jünger als der Name vermuten lässt – wie kam es zu „Fantasia“?
Die Kita wurde 1996 eröffnet. Auf dem Gelände stand vorher bereits eine Kita, die abgerissen werden musste. Danach wurde hier ein mehrstöckiges Wohnhaus mit einer integrierten Kita gebaut. Der Name „Fantasia“ wurde damals gemeinsam mit den Kindern und Eltern ausgesucht und abgestimmt. Er gehört also von Anfang an zur Geschichte der Einrichtung.

Und wie sah der Kita-Alltag damals aus?
Der Alltag war zum Teil ganz anders. Zu Beginn hatten wir neben den Kita-Kindern auch Hortkinder der damaligen James-Krüss-Grundschule, heute Theodor-Heuss-Grundschule, bei uns im Haus. Außerdem gab es eine Gruppe für Kinder ab sechs Monaten – eine sogenannte Liegekrippe. Die Kita Fantasia wurde ab August 2005 zu einer Kita für Kinder vom Säuglingsalter bis zum Schuleintritt. Mit der Verlängerung der Elternzeit hat sich dann auch der Bedarf verändert. Heute kommen die Kinder in der Regel ab etwa zwölf Monaten zu uns.

Wie groß ist die Kita heute?
Wir betreuen aktuell 96 Kinder im Alter von etwa zwölf Monaten bis zum Schuleintritt. Um sie kümmern sich 18 Kolleg:innen. Dazu kommen ein Koch und eine Wirtschaftskraft. Unser Koch sorgt dafür, dass das Mittagessen bei uns frisch zubereitet wird.

(c)Orte für Kinder

Die Kita Fantasia liegt mitten in Moabit. Welche Rolle spielt der Kiez für Ihre Arbeit?
Ein wichtiger Ort ist zum Beispiel die Bruno-Lösche-Bibliothek. Wir besuchen sie regelmäßig, lassen uns dort vorlesen und leihen Bücher aus. Außerdem kommen im Rahmen unserer Kooperation mit den Berliner Lesepaten zwei ehrenamtlich Engagierte einmal pro Woche zu uns und lesen mit den Kindern.
Auch Nawi-Kator ist bei uns aktiv. Dort können Kinder ab etwa vier Jahren an Workshops zur Medienbildung und zu naturwissenschaftlichen Themen teilnehmen. Und wir nutzen die Angebote des Moabiter Bildungsverbunds, der uns unter anderem bei unserem Projekt zur Medienbildung unterstützt hat.

Moabit hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert. Was bekommen Sie davon im Kita-Alltag mit?
Sehr viel. Vor einigen Jahren gab es zum Beispiel große Probleme im Unionpark. Dort wurden Drogen konsumiert und auf unserem Gelände immer wieder Spritzen gefunden. Polizei und Grünflächenamt haben viel unternommen, sodass sich die Situation verbessert hat.

Gibt es noch andere drängende Probleme, die Sie spüren?
Heute erleben wir vor allem, dass Wohnraum für Familien knapp und teuer ist. Von Familien hören wir immer häufiger, dass sie keine bezahlbare größere Wohnung mehr im Kiez finden und deshalb wegziehen müssen. Teilweise leben Familien mit zwei Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Wenn mehr Platz benötigt wird, bleibt oft nur der Umzug.

Wie bewerten Sie das?
Das ist natürlich schade, denn gerade für Kinder ist es schön, wenn sie in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können – mit ihrer Kita, ihren Freund:innen und den bekannten Orten im Kiez.

Was wünschen Sie der Kita Fantasia für die nächsten 30 Jahre?
Kerstin Schönherr-Faust: Dass sie weiterhin ein Ort bleibt, an dem sich Kinder und Familien wohlfühlen und an dem Gemeinschaft gelebt wird. Unser Jubiläumsfest hat gezeigt, wie viele Menschen sich der Kita verbunden fühlen. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft ein fester Bestandteil des Kiezes bleiben.

BU: Kerstin Schönherr-Faust ist seit März 2019 Leiterin der Kita Fantasia.

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