“Weil ich sehe, was für eine Scheiße hier läuft”
Zum sechsten Jahrestags des rechtsextremen Terroranschlags in Hanau gedenken die Moabiter Omas gegen Rechts der Ermordeten. Und wollen dabei ein klares Zeichen setzen.
Zum sechsten Jahrestags des rechtsextremen Terroranschlags in Hanau gedenken die Moabiter Omas gegen Rechts der Ermordeten. Und wollen dabei ein klares Zeichen setzen.

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Der Attentäter Tobias R. tötete anschließend seine Mutter und sich selbst. Das Verbrechen gilt als einer der schwersten rechtsterroristischen Anschläge in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Sechs Jahre später erinnern die Moabiter Omas der Initiative OMAS GEGEN RECHTS an die Opfer. Mit einer Gedenkaktion am Rathaus Tiergarten setzen sie ein Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Ihr Anliegen: Die Erinnerung wachhalten – und deutlich machen, dass rassistische Gewalt kein vergangenes, sondern weiterhin ein gesellschaftliches Problem ist.
Warum demonstrieren Sie heute für das Gedenken des Attentats in Hanau?
Susanne: Weil ich mitfühle und weil ich sehe, was für eine Scheiße hier läuft. Es tut mir einfach weh, wie zum Beispiel mit den Opferfamilien umgegangen wird. Aber es macht mir auch Mut, hier zu sein. Jedes Gespräch mit den Menschen, die hier sind, gibt mir die Kraft, weiterzumachen und nicht zu verzweifeln.

Welche Veränderungen fordern Sie?
Eigentlich wollen wir gerade nichts verändern, sondern, dass unsere Demokratie erhalten bleibt. Im Moment gibt es aber einige Bestrebungen, die dem entgegenwirken und die auch bei den kommenden Wahlen gefährlich werden können. Das wollen wir verhindern.
Warum setzen sich so wenige Leute gegen Rechtsextremismus ein?
Viele Menschen sind mit ihren eigenen Sachen beschäftigt.Und das ist nachvollziehbar, weil die Situation vieler Leute prekär ist, sie denken zuerst ans Überleben, da haben sie keinen Kopf für politisches Engagement.
Und doch stehen Sie hier.
Viele Leute in meinem Alter sagen, dass sie eh bald sterben. Dass sie sich lieber ein schönes Leben machen. Die Menschen müssen spüren, dass es nicht mehr so weitergeht – so wie ich und die meisten Omas, die gemerkt haben, dass wir jetzt etwas tun müssen.

Haben Sie einen Vorschlag, wie man die Menschen aktivieren könnte?
Wir müssen uns wieder mehr vernetzen. Die Zivilbevölkerung braucht etwas Gemeinsames.
Und was können wir gegen Rechtsextremismus tun?
Im Bekanntenkreis darüber sprechen. Verbreiten, dass es Initiativen wie unsere gibt. Ich konnte neulich sogar jemanden in Süddeutschland dazu überreden, die Grünen zu wählen.
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