Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Für Obdachlose in Berlin und Berufsschüler*innen in Uganda
Viele kennen ihn, nur wenige wissen, dass der Sozialtrödelmarkt vor der Heilandskirche der größte Sozialtrödelmarkt Deutschlands ist, der regelmäßig stattfindet.
Gegründet wurde er vor über 30 Jahren von Sozialarbeiter*innen, die im Warmen Otto arbeiteten. Die Alteingesessenen wissen: das war ein Ort für Obdachlose in der Ottostraße, später Rostocker Straße, der vor 2 Jahren geschlossen wurde. Bis heute geht es darum aktiveren Straßenbewohner*innen Struktur zu geben und Anerkennung zuteil werden zu lassen. Sie wurden und werden mit einer Aufwandsentschädigung an den Einnahmen beteiligt und mit dem Überschuss werden dringende Dinge des täglichen Gebrauchs oder auch mal die Ausrichtung eines Festes finanziert.
Letztes Jahr stieg die Stadtmission als Träger des Sozialtrödelmarktes aus und beinahe hätte auch der Markt für immer einpacken müssen. Über persönliche Kontakte kam es zu einer auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlichen Verbindung. Afrika Rise e.V., ein Verein mit dem Schwerpunkt berufsbildender Arbeit in Uganda, wurde im Juli 2022 neuer Träger. Durch den neuen Vertrag mit der Heilandsgemeinde kann er nun am zweiten und am letzten Samstag im Monat stattfinden – vorausgesetzt es regnet nicht.
Kai, ein ehemaliger IT-Kaufmann, war selbst einmal 3 Jahre obdachlos. Seit über 10 Jahren ist er jetzt schon mit dabei und organisiert das Ganze mit hohem persönlichem Einsatz. Pro Woche fallen ca. 100 Arbeitsstunden an, 80 Stunden für ihn, 20 Stunden für seinen obdachlosen Kollegen Radovan. Beide strahlen Optimismus und gute Laune aus, obwohl alles viel schwieriger geworden ist als früher, denn die verschiedenen Krisen hinterlassen Spuren: deutlich weniger freiwillige Helfer*innen, deutlich weniger Trödelspenden, vor allem kaum mehr Wohnungsräumungen - da sind jetzt andere schneller -, deutlich mehr humorloses Feilschen um die lächerlich niedrigen Preise. Und dann ist da das Sperrgitter um die Tram. Das bedeutet eineinhalb Stunden Mehrarbeit pro Markttag wegen der erzwungenen Umwege zur Überquerung der Turmstraße!
Kai schätzt, dass 80 Prozent der Kundinnen und Kunden bedürftig sind. Darunter sind auch Student*innen, die ihren Einkauf für Upcycling-Produktionen nutzen. Weggeworfen werden höchstens 10 Prozent der Trödelware. Nach Erhalt wird die Ware sortiert, ein Teil geht an Einrichtungen wie Unter Druck e.V. oder an ein Mutter-Kind-Heim, der Rest auf die Stände. Echt nachhaltig, gut für’s Klima!
Kai, Gotlinde, Charlie
Und was hat Afrika Rise e.V. davon? Nach Abzug sämtlicher Unkosten erhält Afrika Rise e.V. den Überschuss und steckt ihn in die Finanzierung einer kleinen Berufsschule in Buwere in Uganda. Dort lernen um die 100 Jugendliche aus sehr einfachen dörflichen Verhältnissen sieben handwerkliche Berufe. Mit der Beteiligung an den Einnahmen des Sozialtrödelmarkts konnte im ersten Jahr für ca. 20 Auszubildende das Schulgeld übernommen oder reduziert werden. Dies ist ein großer Erfolg und ein Beitrag zur Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit.
Du möchtest bestimmt etwas loswerden. Raff dich auf und gib, was du nicht mehr brauchen kannst, direkt beim Sozialtrödelmarkt ab: zur Zeit jeden Samstag (außer bei schlechtem Wetter oder kirchlichen Veranstaltungen). Infos dazu sind immer aktuell ab Freitag abend auf der Webseite oder auf Kai*sWhatsapp-Status (0177-335 39 17) zu erfahren.
Außerdem: - Wenn du jemanden brauchst für Wohnungsauflösungen – gib Kai Bescheid - Du willst dich beim Trödelmarkt engagieren? Melde dich bei Kai 0177-335 39 17
ODER
- Du möchtest bei Afrika Rise e.V. mitmachen? Sehr gern! Schreib an: info@afrikarise.de
Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.