MoaArts: Kunst als Therapie
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.

Skulpturen, Tonarbeiten, Collagen, ein Mobile aus Kleiderbügeln, ein Pinguin aus Draht und Pappmaché und Bilder verschiedenster Techniken: Die schon mehr als 15 Jahre bestehende Kunstgruppe „MoArts“ des Unionhilfswerks hat am 7. Februar in der Heilandskirche ihre Jubiläumsausstellung eröffnet. Die zeigt, wie wichtig inklusive Angebote wie MoArts für Menschen sind, denen es sonst schwergemacht wird, einen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Einmal in der Woche treffen sich die beteiligten Künstler*innen, ältere Menschen mit körperlichen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, in der Elberfelder Straße 29 in Moabit. Sie leben in Wohngemeinschaften oder betreutem Einzelwohnen des Unionhilfswerks - einige in Moabit oder Wedding, aber auch in anderen Bezirken.

Viele der Künstlerinnen und Künstler sind schon jahrelang dabei. Sogar in der Corona Zeit gab es Angebote und eine Ausstellung mit virtuellem Rundgang. Viele der Mitglieder sind über die Jahre selbstbewusster geworden. Sie fühlen sich und ihre Werke gesehen. Die Gruppe arbeitet nicht nur zusammen an ihren Kunstwerken. Sie feiert auch Geburtstage und andere Anlässe. Das ist nicht unwichtig, denn die Menschen sprechen in der Gruppe auch über ihre Werke. Dafür braucht es Vertrauen.
Die Mitglieder haben ihren eigenen Stil gefunden, probieren aber weiterhin nicht nur verschiedene Techniken beim Malen und Zeichnen aus, sondern auch Collagen, Masken aus Computerteilen, Mobiles und anderes. Inklusion bedeutet hier, dass jeder Mensch mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten und Talenten anerkannt wird. “Die Therapie besteht darin, endlich mal nicht Therapie zu machen, sondern etwas Kreatives, was den Leuten Spaß macht”, sagt Brigitta von Homeyer.

Die bildende Künstlerin von Homeyer gründete die Gruppe 2009. Sie sprang zunächst bei einer Ergotherapie-Gruppe ein, deren Betreuer aufgehört hatte. Am Anfang wurden Bilder gefilzt, dann hatten einige Lust, Gedichte zu den Bildern zu schreiben. Später malten und zeichneten sie. Schon 2010 fand die erste Ausstellung im SOS Kinderdorf statt. Damals noch in einem Laden in der Waldstraße, denn den Neubau gab es noch nicht. Jährliche Ausstellungen folgten. Seit 2012 leitet von Homeyer die Gruppe gemeinsam mit der WG-Betreuerin, Pädagogin und Modedesignerin Irina Wußmann. 2015 hat sich die Kunstgruppe den Namen “MoArts” gegeben.
Brigitte Mutschke erzählt, dass sie sich jetzt mit über 70 Jahren bei der Volkshochschule angemeldet hat, um schreiben und lesen zu lernen. Reiner Köhn (75) ist schon mal in einem Film aufgetreten und hat Jahrzehnte lang an seiner Lebens- und Kindheitsgeschichte geschrieben als behindertes Kind mit vielen Geschwistern. Gaby Czeslik (76) berichtet, dass sie immer mit dem Taxi kommt und nach Hause fährt, so wichtig ist ihr die Kunstgruppe. Sie möchte auf jeden Fall weitermachen, mindestens bis sie 80 Jahre alt ist, genau wie Köhn.
Früher gab es eine Gruppe vormittags für die Älteren und eine am Nachmittag, damit auch Künstler*innen teilnehmen konnten, die tagsüber arbeiten müssen. Diese Nachmittagsgruppe wird nicht mehr finanziert. Aktuell gibt es Nachmittags im Sommer im Schulgarten Moabit eine inklusive Garten-Kunst-Gruppe und im Winter arbeiten sie als Keramikgruppe in der Töpferwerkstatt des Moabiter Ratschlags. Manchmal ist es nicht leicht, neue Personen zu erreichen, denn die müssen oft erst lernen, selbstständig in die Werkstatt zu kommen, und brauchen dafür zugewandte Betreuer*innen, die es mit ihnen üben.

Die aktuelle Jubiläumsausstellung kann natürlich nicht alles zeigen, was in diesen 15 Jahren entstanden ist. Viele der Kunstwerke sind längst nach Hause mitgenommen, verschenkt oder verkauft worden. Viele Materialien sind nicht lange haltbar und auch nicht alle Künstler*innen bleiben Teil der Gruppe. Einige, deren Bilder in der Ausstellung zu sehen sind, sind auch schon verstorben.

Bei der Eröffnungsfeier ging es den Künstler*innen weniger um den therapeutischen Aspekt von MoArts. Zwischen Tafeln voller Kaffee und Kuchen sprachen die Mitglieder Gaby Czeslik, Reiner Köhn, Brigitte Mutschke, Martina Hein, Mario Härtel und Melisa Asar lieber über ihre Werke. Die Freude an der Kreativität war ihnen anzumerken. Und so erklärten sie allen, die es hören wollten, immer wieder: „Malen macht Spaß, Kunst macht Spaß.“
Ausstellung in der Heilandskirche, Thusnelda Allee 1 bis zum 22. März 2026
Öffnungszeiten: Mittwoch 14-17 Uhr und Samstag 11-13 Uhr.
Es lohnt sich! Kommt vorbei! Viele Werke sind noch zu erwerben - von 60 - 350 €, einige gingen schon gleich bei der Eröffnung weg.