Fußball: Der Bundestag besiegt Moabit

Man muss nicht gewinnen, um als Siegerinnen vom Platz zu gehen. Klingt nach einer Floskel, aber für den FSV Moabit ist es wahr. Die Frauenmannschaft hat gegen den männlich dominierten FC Bundestag verloren. Und halt auch nicht.

Fußball: Der Bundestag besiegt Moabit
Foto: Moritz Staudte
Foto: Moritz Staudte

Mit einem furiosen Auswärtssieg begeistert der FCB an diesem Dienstagabend die Zuschauenden. Einmal mehr hat er die Bundesrepublik Deutschland auf dem grünen Rasen mehr als würdig vertreten. Fußballfans denken jetzt sicher an den Sieg des FC Bayern bei Europapokalsieger Paris Saint Germain in der Champions League. Hier ist aber ein anderes Spiel gemeint: Das Gastspiel des FC Bundestag beim Moabiter Frauensportverein auf dem Mete-Ekşi-Platz des Poststadion-Areals am selben Abend.

Der FC Bundestag ist die Fußballmannschaft der Abgeordneten unseres Parlaments. Spieler:innen aller Parteien können Mitglied werden, nur die rechtsextreme AfD darf nicht mitspielen, auch wenn sie dagegen gerichtlich vorgeht. Spiele gegen Frauenmannschaften sind für den FC Bundestag selten. Auch im Team der Volksvertreter:innen selbst spielen Frauen erst seit 2021. 

Eigentlich sollte der FC Bundestag gar nicht hier sein. Normalerweise spielt er nur zuhause. Das ist im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg. Der Grund ist ein logistischer: Die Spiele der Abgeordneten-Auswahl finden fast ausschließlich in den Sitzungswochen statt. Gegen wen sie spielt, geht meistens aus dem Vorschlag einer Spielerin oder eines Spielers des FC Bundestag hervor. Oft sind es die Firmenvereine, oder anderweitig hervorstechende, die extra dafür anreisen. Der FSV Moabit spielt jedoch noch näher am Reichstag als der FC Bundestag selbst. So wurde dieser Ausnahmefall möglich.

Auch eine Niederlage ist ein kleiner Sieg

Vor einer Menschenmenge im mittleren zweistelligen Bereich verlieren die Moabiterinnen zwar gegen die Abgeordneten, aber freuen können sie sich trotzdem. Denn für einen Verein mit etwa 150 Mitgliedern ist ein so großes Publikum schon fast ein volles Stadion. Und dass die Jugenspielerinnen am Spielfeldrand mit einem Waffel- und Kuchenverkauf nicht nur sichtlich Spaß haben, sondern auch etwas Kleingeld für die Jugendabteilung einnehmen können, dürfte über die Niederlage hinwegtröstet haben.

“Spielpatin” und FCB-Linksverteidigerin ist Annika Klose von der SPD. Als sie für ihr Studium nach Berlin zog, wurde Moabit ihr neues Zuhause. Heute ist noch ihr Wahlkampfbüro hier. Sie ist sichtlich glücklich darüber, dabei zu sein. Ursprünglich sei sie verhindert gewesen, sagt sie. Dann konnte sie wegen einer Terminverschiebung aber doch noch kommen, wenn auch zu spät. Anders als ihre mit dem Bus hergeshuttleten Kolleg:innen kam sie mit dem Fahrrad hinterher – immerhin hat sie es ja nicht so weit. Ihre Jacke hat sie in all der Eile aber in der Kabine vergessen, weswegen sie nach ihrer Auswechslung kurz vor Abpfiff am Seitenrand etwas zu frieren scheint. Trotzdem wirkt sie glücklich, doch dabei sein zu können und nach dem Spiel zur “dritten Halbzeit” laden zu dürfen. Als Spielpatin ist es ihre Aufgabe, die Verpflegung bei diesem informellen Austausch zwischen beiden Teams zu stellen. 

Annika Klose Foto: Moritz Staudte

Der Extrawunsch der Abgeordneten

Initiiert hat das Spiel der Moabiter Ratschlag im Rahmen von dessen Projekt “Kiez machen”. Dieses kooperierte in der Vergangenheit bereits mit dem FSV, etwa wenn es Public Viewings für die Fußball-EM im Sommer 2025 veranstaltete. “Kiez machen” vermittelte den Kontakt zwischen FSV und FCB, und FSV-Spielerin Charlene Giesert organisierte dann den Rest. Das ging erstaunlich einfach. Der einzige Extrawunsch der Abgeordneten sei es gewesen, mit dem Bus direkt ans Spielfeld zu fahren. Das ließ sich nicht einrichten – und damit gaben sie sich zufrieden.

Das Spiel selbst verlief zunächst einseitig. Durch einen Abwehrfehler gingen die Bundestagsspieler:innen in der dritten Minute in Führung und bauten diese bis zur Halbzeit – gespielt wurden zweimal dreißig Minuten – auf 0:3 aus. Nach dem Seitenwechsel wurden die Gastgeberinnen zunächst stärker und kamen sogar auf 2:3 heran. Nach den vollen sechzig Minuten stand es dann allerdings wieder 5:2 für die Gäste. 

FSV-Trainer Martin Meyer ist dennoch zufrieden: “Ich bin super stolz”, sagt er. Gegen ein hauptsächlich männliches Team zu spielen sei ohnehin eine Herausforderung, die seine Mannschaft super gemeistert habe: “Das gibt auch Selbstvertrauen für die Liga”. Auch Annika Klose, die Moabiter Abgeordnete des FC Bundestag sagt, das Spiel gegen den FSV sei sehr “laufintensiv”. “Die können schon Fußball spielen”, sagt sie. Das sei nicht bei allen Gegnern der Parlamentsequipe der Fall. Und so ist die Niederlage der Moabiterinnen vielleicht sogar der größere Sieg als der bayerische in Paris.

Folge uns auf Instagram und Faceboook und abonnier auch gern den Newsletter, über den wir bald einmal im Monat News und Events aus und in Moabit teilen.

Klasse! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.

Willkommen zurück! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.

Sie haben sich erfolgreich für moazin angemeldet.

Erfolg! Überprüfen Sie Ihre E-Mail auf den magischen Link zum Anmelden.

Erfolg! Ihre Rechnungsinformationen wurden aktualisiert.

Ihre Abrechnung wurde nicht aktualisiert.

Jetzt anmelden zum Newsletter! Newsletter abonnieren