Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Wir sitzen am Dienstag abend seit ewigen Zeiten mal wieder beim Schwaben - Weitzmann im S-Bahnbogen an der Paulstraße - und der allseits bekannte, freundlich hektische, Tagesspiegel-Verkäufer hat auch den "tip" dabei. Das Titelbild leuchtet schwarz - rot. Eine junge blonde Schönheit reißt ihre Jacke auf, darunter ein schwarzes T-Shirt "Moabit" in altertümelnder Schrifttype.
Also ebenfalls seit ewigen Zeiten mal wieder den "tip" gekauft. Das Titelbild sieht ein bißchen aus wie ein Foto der Serie "M wie Moabit" von Jan Poppenhagen. Diese Serie von Jugendlichen, aufgenommen im nächtlichen Moabit, hing 2007 auch im Stadtschloss in der Rostocker Straße und sorgte für kontroverse Diskussionen. Die Fotos sprechen eine so direkte und authentische Sprache, dass sie auf Begeisterung und auch auf Abwehr stoßen. "Aber das Titelbild kann doch unmöglich von Jan sein", sagt Jürgen, "das ist ein Studiobild."
Wir suchen das Impressum und finden einen "Dank an Jan Poppenhagen, dessen Bildidee wir freundlicherweise übernehmen durften". Doch zuhause eine mail von Jan an Freunde und Bekannte. Er stellt klar, dass er das Titelbild nicht fotografiert hat und dem "tip" auch nicht erlaubt hat, seine Idee zu kopieren. Im Gegenteil das "weichgespülte" Foto gefällt ihm überhaupt nicht. Und der Text?
Im ersten Moment ist man ganz erfreut, dass Moabit ausnahmsweise mal nicht nur als Problemkiez und Kriminalitätsschwerpunkt dargestellt wird, wie zum Beispiel im Zeitartikel, auf den der Autor kurz verweist. Aber finden wir uns wieder in diesem Artikel zwischen "Absturz und Aufbruch"? Ein schönes Portrait von Gitarre Moabit, ein Interview mit Juerg Judin, Schweizer Galerist an der Heidestraße. Eindrücke aus Gesprächen mit den Machern von Kurt-Kurt, mit Mitarbeitern des Quartiersmanagements Moabit West, mit Stephan la Barré vom Verein "BürSte". Auch mit mir hat tip-Autor Erik Heider gesprochen. Herausgekommen ist ein Sammelsurium: die über Moabit schwebende Veränderung wird als Aufwertung begriffen, Aufwertung durch Bauvorhaben rund um den Hauptbahnhof, das neue Viertel an der Heidestraße, Ansiedelung von Künstlern usw. Doch kann diese Aufwertung als die eigentliche Gefahr für Moabit begriffen werden. Wenn es hier erst einmal hipp ist, geht jede Ursprünglichkeit verloren und Verdrängung droht.
Jugendliche kommen überhaupt nicht vor, weder deutsche noch mit Migrationshintergrund. Gerade in diesem Punkt straft der Text die Titelaussage "Jetzt zeigen wir's Euch" Lügen.
Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.