Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Die Spatzen haben es ja schon längst von den Dächern gepfiffen: ... "die Kronleuchter sind verschwunden!" .... "Ausverkauf im Engelbrot" .... "wo versickern die Fördermittel?" ... einer der lautesten Spatzen war Rané Schmidt, eifriger MoabitOnline Kommentator. Es gab im letzten Jahr immer wieder Unregelmäßigkeiten, wenn auch oft nur unter der Hand darüber berichtet wurde. Wie bei dem Projekt "moabit zieht an", dessen Abschlusspräsentation und Modenschau nicht im Engelbrot-Theater stattfinden konnte. Die Ausgesperrten demonstrierten vor der Tür. Streit um Geld schon damals.
Am 11. März die Presse geladen. Ich war nicht dort, aber eine reichlich verwirrende Presseerklärung erreichte mich. Diese Presseerklärung über Mietstreitigkeiten und feindliche Übernahmen ist im Artikel der Berliner Morgenpost prima zusammengefasst. Das Theater Engelbrot & Spiele schließt zu Ende März. Vorher - in der Woche vom 25. bis 31. März - gibt es noch ein fulminantes Abschlussevent, die 11. Festwoche von TUSCH, Theater und Schule, mit 35 Theateraufführungen, die etwa 850 Kinder mit 150 KünstlerInnen und TheaterpädagogInnen erarbeitet haben.
Zum Schluss war nur noch HP Trauschke/Vannoni übrig geblieben, Ludo Vici bereits nach München übergesiedelt. Sie hatten die Spielstätte Im Mai 2007 mit einem ambitionierten Programm wieder eröffnet. Modernes künstlerisch anspruchsvolles Theater ohne Subventionen. Zusätzlich Vermietungen, Events, die Silvesterparty hatte noch mal ein volles Haus gebracht. Doch nach noch nicht einmal 2 Jahren das Aus. Auch dieses Gastspiel hat nur wenige Monate länger gedauert als der letzte Versuch unter Christian Alexander Schnell gedauert hatte, das alte Volkstheater wiederzubeleben. Dessen Privatinsolvenz beendete den Spielbetrieb des HT21 im Dezember 2005.
Soweit zur neueren Geschichte des ehemaligen Festsaals der Kronenbrauerei, 1888 erbaut, später Kino, dann das Hansatheater. Die Geschichte ist bei Berlin Street nachzulesen. 1888 wurde das Gebäude als Festsaal der Berliner Kronenbrauerei erbaut und war bald als Stadttheater Moabit mit volkstümlichen Stücken und Operetten sehr beliebt. Mit dem Siegeszug des Films wurde das Haus 1923 zum Kino Hansa umgebaut, aber 40 Jahre später, 1963, als große Filmhäuser schließen mussten und das Fernsehen auf dem Vormarsch war, wieder zum Hansa Theater. Hier spielten Theatergrößen von Marlene Dietrich, Harald Juhnke über Heinz Erhardt bis zu Brigitte Mira, die dabei von Rainer Werner Fassbinder für den Film "Angst essen Seele auf" entdeckt wurde. Bubi Scholz boxte im Hof. Bis in die 1980er Jahre eine beliebte Adresse für Volkstheater.
Eva Corino hat 1998 in der Berliner Zeitung ein Liebeslied auf die waschechte Berliner Schnauze in Moabit und im Hansatheater geschrieben. Sehr witzig ist auch der Scheinschlag-Artikel zu Tratsch im Treppenhaus, der das Verhältnis von Hochkultur und Unterhaltung thematisiert.
Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.