Mit dem Chef im Bett – Was kann das neue MoaHotel?
Moabit hat ein neues, altes Hotel. Das MoaHotel hat sich von den Ketten des Franchise gelöst und will zu einem Anker des Kiezes werden. Aber ist das mehr als ein Marketing-Versprechen?
Wie viel Durchgangsverkehr verträgt eine Wohnstraße? Die Zinzendorfstraße ist gerade mal 200 Meter lang und doch ein Paradebeispiel für große stadtplanerische Fragen. Und für einen jahrzehntelangen Kampf um Ruhe und Sicherheit.

Auf dem Papier würde man denken, es wäre eine ruhige Wohnstraße. Es gibt eine Grundschule, eine Kita, ein kleines Hotel und rund 450 Anwohner:innen. Beschaulich eigentlich, fast eine kleine Idylle mitten im Kiez. Wenn nur der Autoverkehr nicht wäre. Denn der macht mindestens zwei Probleme. Zum einen verstopfen vormittags Eltern die Straße, die ihre Kinder in besagte Schule bringen. Zum anderen nutzen Autofahrer:innen die Zinzendorfstraße auch als inoffizielle Abkürzung. Und machen sie damit gefährlich für alle anderen.
Rolf Wietzer wohnt hier seit fast 40 Jahren. Er hat den Fahrradladen an der Ecke gegründet und engagiert sich seit vielen Jahren in der Fußgängerschutz-Initiative FUSS e.V., sowie der lokalen Bürgerinitiative Zinzendorfstraße. Um die Situation seiner Straße zu beobachten, hat er ein Verkehrs-Messgerät auf dem Balkon installiert. Der Sensor des Geräts erfasst Bewegungen auf der Straße, unterscheidet zwischen verschiedenen Verkehrsarten und misst ihre Anzahl und Geschwindigkeit. Die Daten sind öffentlich (hier) und erzählen eine klare Geschichte. In den letzten beiden Novemberwochen fuhren mehr als 16 Prozent der Autos über den vorgeschriebenen 30 km/h. Durchschnittlich brausten werktags 88 Autos zwischen 8 und 9 Uhr morgens über das Kopfsteinpflaster.

Das Navi kennt den Schleichweg
Das Problem der Zinzendorfstraße ist ihre Lage. Als Verbindung von zwei Hauptverkehrsstraßen nutzen sie viele, die die Ampel an der Gotzkowskystraße meiden wollen. Navigationssysteme laden selbst ortsunkundige Fahrer:innen zu solchen Routen ein. Die Fahrt über das Kopfsteinpflaster bringt laut Wietzer oft nur ein bis zwei Minuten Zeitgewinn, aber für viele ist das Anreiz genug. "Wir haben es satt, dass alle durch unsere Straße brettern, um irgendwo anders hinzukommen", sagt Wietzer.

Das Ergebnis ist Lärm. Bis zu 72 Dezibel, der Lärmpegel eines Staubsaugers, hat Wietzer gemessen. Die Hauswände reflektieren den Schall der Autos, was eine enorme Belastung für die Anwohner:innen darstellt, auch nachts.
Auch ist der Verkehr in und um die Zinzendorfstraße eine Gefahr für Schulkinder der anliegenden Grundschule. Berlins Verkehrsstatistik kann auch bisher keine nennenswerte Verbesserung der stadtweiten Zahl an Verkehrsunfällen mit Kindern vorweisen.

Morgens zu Schulbeginn verdichtet sich der Verkehr vor der Schule zusätzlich. Die Anwohner:innen haben einmal nachgezählt: Rund 25 sogenannte Elterntaxis schieben sich innerhalb einer Stunde durch die enge Gasse.
Die Autos halten dann in zweiter Reihe, blockieren die Fahrbahn, oder wenden in Einfahrten. Die hohe Anzahl von Fahrzeugen kommt auch daher, dass viele Eltern aus Charlottenburg oder anderen Teilen Moabits ihre Kinder hier anmelden, denn die Miriam-Makeba-Grundschule hat einen guten Ruf.
Das Zuständigkeits-Pingpong
Die Anwohnerinitiative Zinzendorfstraße fordert seit 35 Jahren eine Verkehrsberuhigung: eine Schulzone mit einem Poller in der Mitte, versenkbar für Feuerwehr und Müllabfuhr. Die Straße würde zur Sackgasse, die Durchfahrt unmöglich.
Solche Änderungen scheiterten bisher an den Berliner Verwaltungsstrukturen. Der Bezirk Mitte würde vielleicht gerne handeln, doch Hürden seien "mangelnde finanzielle und personelle Ressourcen", so das Bezirksamt. Das Amt lehnt daher die Schulzone und einen Verkehrsversuch, das heißt eine zeitlich befristete Probemaßnahme, ab. In einer Stellungnahme heißt es, die "unterkomplexe Gesamtsituation" erfordere keinen Verkehrsversuch. Zudem seien Sackgassen ohne große Wendehämmer problematisch.
Dahinter steckt aber auch ein größeres Strukturproblem: Hauptstraßen (wie Alt-Moabit) gehören in die Zuständigkeit des Senats. Wenn der Bezirk etwas ändern will, das den Abfluss der Hauptstraße stört, wird es kompliziert, denn Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) betont gerne, dass der Verkehr "vernünftig fließen" solle. “Ein Kulturkampf, das hat mit rationalen Entscheidungen überhaupt nichts mehr zu tun”, beurteilt Wietzer diese Politik.
Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Senatorin Bonde stoppte im Frühjahr schon die Finanzierung für geplante Kiezblocks in Mitte. Das sind jene verkehrsberuhigten Zonen, die auch Moabit hätten entlasten können. Die Begründung: Poller würden einen "volkswirtschaftlichen Schaden" anrichten.
Während sich die hiesigen Anwohner mit der Verwaltung herumschlagen, sind andere Städte weiter. In Paris sollen hunderte autofreie Strassen entstehen, Wien investiert 52 Millionen in die Rad-Infrastruktur und drückt den Autoanteil auf 25 Prozent. Für die Berliner Politik sind solche Ideen noch kaum denkbar.

Einbahnstraße als Trostpflaster
Statt einer baulichen Umgestaltung plant das Bezirksamt nun eine Minimalvariante: eine Einbahnstraße. Noch in 2025 soll die Einfahrt von Alt-Moabit in die Zinzendorfstraße untersagt werden. Ein paar Schilder aufzustellen kostet wenig, doch Rolf Wietzer ist skeptisch, ob das reicht. "Wir werden den Verkehr nicht völlig ausschalten können", sagt er. Zwar falle der Gegenverkehr dann weg, aber die Route bleibe für eine Richtung attraktiv. Und ohne Gegenverkehr, so die Befürchtung der Initiative, lädt die Straße erst recht zum Gasgeben ein.
Folge uns auf Instagram und Faceboook und abonnier auch gern den Newsletter, über den wir bald einmal im Monat News und Events aus und in Moabit teilen.