Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Moabit ist eine Insel - das ist einigermaßen bekannt - und heute führen 23 Brücken auf diese Insel. Aro Kuhrt hat sie alle beschrieben. Als die erste Brücke gebaut wurde, war Moabit aber noch gar keine Insel, denn damals gab es weder den Spandauer Schiffahrtskanal, den Humboldthafen noch den Charlottenburger Verbindungskanal. Erst seit 1875 ist Moabit eine Insel.
Trotzdem war es beschwerlich bis in die Stadt Berlin zu kommen, die Königliche Pulverfabrik, 1717 auf dem riesigen Areal angelegt, was heute vom Hauptbahnhof über die Werftstraße bis zum Fritz-Schloß-Park reicht, sperrte Moabit ab.
Sonntags machten sich Berliner Handwerker und Dienstmädchen gerne einen schönen Tag in den ländlichen Ausflugslokalen Moabits. Auf der Spree - wie auch in Stralau verkehrten die sogenannten Moabiter Gondeln.
Doch die Moabiter auf umgekehrtem Weg kamen schlecht in die Stadt. Diese und auch der preußische Staat hatten keinerlei Interesse daran, für die damals gerade mal 250 Moabiter eine Brücke über die Spree zu bauen. Mittlerweile hatten dort einige Intellektuelle und Professionelle ihre Sommerhäuser gebaut.
1820 wurde Pierre Ballif (1775-1831), der Hofzahnarzt des Königs von Preußen, aktiv, sammelte Geld und schon ein Jahr später konnte eine hölzerne Klappbrücke dort gebaut werden, wo heute die Moabiter Brücke, im Volksmund auch Bärenbrücke genannt, Moabit mit dem Hansaviertel verbindet.
Die Brücke hieß damals Ballif-Brücke und die Kirchstraße passenderweise Brückenstraße. Der Brückenbau war eine private Investition und deshalb wurde Brückenzoll erhoben, von Fußgängern, Reitern, Fuhrwerken und Kutschen, ebenso wie von den Schiffen, für die die Klappe in der Mitte der Brücke geöffnet werden musste, weil die Brücke so niedrig war, dass Schiffe nicht drunterdurchgepasst hätten. Nachdem die Brücke schon 1840 vergrößert worden war, wurde sie 1868-69 wieder als Holzbrücke, jetzt ohne Klappe, neu gebaut. Schon vorher war der Brückenzoll abgeschafft worden und der Berliner Magistrat hatte die Verantwortung für die Brücke übernommen. Auch diese Brücke genügte dem zunehmenden Verkehr bald nicht mehr, sie wurde 1892 abgerissen.
Der Neubau aus grauen Basaltlavagestein, das aus der Eifel stammt, wurde 1894 fertig, künstlerisch gestaltet vom Architekt Otto Stahn während für die Konstruktion der Ingenieur Karl Bernhard verantwortlich war. Auf den Brückenpfeilern standen damals naturgetreue Bären aus Bronze gegossen, gestaltet von den Bildhauern Karl Begas, Johannes Böse, Johannes Goetz und Carl Piper. Sie wurden wie viele andere Bronzedenkmäler oder Kirchenglocken im 2. Weltkrieg eingeschmolzen. Auch der südliche Bogen der Brücke war 1945 bis auf einen Seitenstreifen zerstört. Fußgänger konnten noch passieren. Für die Trümmerbahn wurde 1946 eine Notbrücke errichtet und der zerstörte Bogen 1948-50 wiederaufgebaut. Die naivblickenden flachen Bären hat der BildhauerGünter Anlauf 1981 gestaltet. Die Brücke steht unter Denkmalschutz.
Und um auf Pierre Ballif zurückzukommen, heute wird ein von ihm 1819 geschriebenes zweisprachiges Buch "Guide journalier pour servir à l'embellissements et à la conservation des dents - Anleitung zur Pflege und Erhaltung der Zähne" für mehr als 500 Euro gehandelt. Es hat einen Rückentitel mit Goldprägung und Goldschnitt.
Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.