Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Bereits Ende Mai 2023 wies Olivia Quednau in der Berliner Woche mit einer Anzeige auf die "Große Lagerräumung und unser Madagaskar-Schulprojekt" hin, für das seit vielen Jahren 5 Euro je gekaufter Brille gespendet und alte Brillen gesammelt werden. Der Ausverkauf mit Rabatten bis zu 70% sollte bis Ende Juni laufen. Ausverkauft wird immer noch - auch das Mobiliar ist zu haben. Aber neue Brillen kann man sich auch jetzt noch anpassen lassen (Termine unter: 030 25091409 - nur noch bis 16.12.).
Ein Immobilienhai hat "Blue Eyes Optik" erwischt, den Optikerladen mit "anderen Brillen für andere Leute", wie auf dem Plakat im Schaufenster formuliert. Sie suchen einen neuen Laden in Moabit mit 120-160 Quadratmetern, dessen Miete nicht über 17 €/qm liegt, denn sie wollen die Preise für ihre Brillen und Serviceleistungen nicht erhöhen. Sogar eine Belohnung wird versprochen.
Was ist passiert? Das Eckhaus Thomasiusstraße 1 / Alt-Moabit 109 wurde verkauft. Es ist wohl Teil des im Laufe des Jahres 2023 von der PREIG AG zusammengekauften Portfolios an Wohnimmobilien in der Berliner Innenstadt mit insgesamt 255 Wohneinheiten, wie sie in einer Pressemitteilung von August bekannt gegeben hatten. Sieben der acht Häuser sind in dieser stadtpolitischen Karte eingetragen. In Moabit gehört auch die Bochumer Straße 19 dazu. Für jedes einzelne Haus wird eine GmbH gegründet, die sitzen in Zossen, dem Berlin nahen Steuerparadies. Eine Vernetzung der Mieter*innen untereinander wird aufgebaut. Kontakt: preig-haeuser@lists.wirbleibenalle.org
Das ist außerordentlich sinnvoll, denn Luxussanierung droht. Auch wenn der Immobilienentwickler das anders ausdrückt: "Für uns stehen Klimaneutralität und Innovation im Fokus"... "Altbauwohnraum bedarfsgerecht und dennoch zeitgemäß"... "Dies erreichen wir in unseren Projekten unter anderem durch die energetische Sanierung, notwendige Modernisierungen und vor allem den intelligenten Ausbau von potentiellen Dachgeschossen", soweit die Vision auf der Webseite. Laut Pressemitteilung sollen durch Dachgeschossausbau in den 8 Häusern 34 neue Wohnungen entstehen. Toll! Aber wer kann sich diese leisten? Und wie viele Mieter*innen in Moabit leiden schon unter Bauarbeiten oder auch Folgen von rücksichtslosem Dachausbau.
Blue Eyes Optik, Alt-Moabit 109
In den Referenzen auf der Webseite sind drei andere Moabiter Häuser abgebildet: Essener Straße 23, Spenerstraße 3 und Spenerstraße 4+5. Nicht gerade Beispiele für respektvollen Umgang mit Mieter*innen - eher das Gegenteil. Zumindest in der Essener Straße und Spenerstraße 4 + 5 wurde die Mieter*innen-Verreibung aktiv betrieben. Bei diesen Häusern zeigt sich auch eine Verbindung zur FORTIS Group, deren Hauptgeschäft die Umwandlung und der Verkauf von Eigentumswohnungen ist.
Leider kann eine Vernetzung der Mieter*innen den Gewerbetreibenden, wie dem Optik-Geschäft, nicht wirklich helfen. Deren Mietverträge sind in der Regel befristet und wer kann schon eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Miete erwirtschaften und viele andere wurden schon aus ihrem Kiez vertrieben, wie die ukrainische Künstlerin am Südstern, ebenfalls ein PREIG AG Haus. Und so ging es ihr nach der Kündigung (Zitat): "Baranovska vergleicht die Situation mit einem Naturereignis: „Es kommt ein Sturm und macht dich kaputt. Ich kann es nicht ändern und muss von vorn anfangen“, sagt sie. Doch sie sei eine Kämpferin. Eigentlich würde sie gern den Eigentümer direkt treffen und ihm in die Augen schauen. Doch bisher kommunizierte er nur über die Hausverwaltung."
Über Gefühle zu sprechen, habe ich mich im Optiker-Laden nicht getraut.
Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.