Seit wenigen Monaten versucht eine junge Kneipenbesitzerin die Barlandschaft Moabits zu revolutionieren. Mit freundlichem Konzept und Strenge schafft sie ein Umfeld, das alle ansprechen kann. Sofern sie sich benehmen.
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Da ahnt man nichts Böses, wartet bei Kurt-Kurt auf die Mode-Performance von Simone Zaugg in ihren mit Sprüchen bestickten Klamotten, die im Gedankendialog mit Kurt Tucholsky entstanden sind, und schon rückt ein Tross Politiker ein, die die Künstler erst mal mit Beschlag belegen. Da konnte man nur hoffen, dass der Spruch der Einladungskarte (links: "Im Grünen fing es an ... und endete blutig rot") sich nicht verselbstständigte.
Nein, es wurde weder Grün noch blutig Rot, sondern Schwarz.
Volker Liepelt, CDU-Listenplatz im Abgeordnetenhaus von Berlin für Moabit, stellte den Kandidaten der CDU für Berlin-Mitte für den Bundestag vor: Dr. Christian Burholt. Na ja, es ist eben Wahlkampf, bald wird das Wahlvolk an die Urnen gerufen, da muss man sich überall bekannt machen und dafür eignen sich Feste, Kulturtage usw. natürlich prima. Und er bekam gleich eine Aufgabe mit auf den Weg: "Bitte kümmern Sie sich darum, dass die Kleingärten in der Lehrter Straße erhalten bleiben!"
Aber auch die SPD ist nicht faul. Im Hauptprogramm der Moabiter Kulturtage war die Diskussionsveranstaltung "Wovon lebt die Kunst?" mit Moabiter Künstlern und der SPD-Kandidatin für Berlin-Mitte, Dr. Eva Högl, angekündigt. Die Galerie-Nord war gut gefüllt, es mussten Stühle angebaut werden. Doch die Diskussion plätscherte am Anfang eher dahin, bis Widerspruch von den Künstlern kam, die gute Verbindung von Kunst und Politik betreffend.
Das Ende habe ich nicht mehr miterlebt, denn ich wollte auf keinen Fall den Film über die Ermordung Lumumbas im Afrika-Haus verpassen und war nicht sicher, wieviel afrikanische Zeit ich mir nach dem angekündigten Beginn noch nehmen konnte, denn schließlich lebt Oumar Diallo schon ziemlich lange hier. Politik 60 Jahre nach dem Ereignis und sehr erhellend über Geisteszustände europäischer Täter. Auch im Atelier 5 wird die Party mit Politikern angereichert und bestimmt sind noch weitere Kandidaten aufgetaucht, die gerne unten angefügt werden können, ebenso wie weitere Berichte über von unseren Lesern besuchte Veranstaltungen .
Seit letzter Woche fasten Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt. Abends wirken die Moabiter Restaurants jetzt festlicher denn je. Vielen Außenstehenden ist die Praxis des Ramadan fremd. Aber müssen sie deshalb so ignorante Fragen stellen?
Wenn Menschen ihr Platz in der Gesellschaft vorenthalten wird, müssen sie sich andere suchen. Die Kunstgruppe MoArts bietet genau diese Räume. Nun zeigt sie ihre Jubiläumsausstellung aus 15 Jahren Kreativität.
Jetzt kommt die Vielfalt der Welt nach Moabit. Eine Buchhandlung, geführt von der Literaturagentin Sharmaine Lovegrove. Die möchte den Verlagen zeigen, was sie falsch machen.
Man muss nicht gewinnen, um als Siegerinnen vom Platz zu gehen. Klingt nach einer Floskel, aber für den FSV Moabit ist es wahr. Die Frauenmannschaft hat gegen den männlich dominierten FC Bundestag verloren. Und halt auch nicht.